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10XDNA-Fonds
Die unseriösen Botschaften des Frank Thelen

Der Investmentfonds des TV-Promis weist eine miserable Halbjahres-Bilanz auf. Das ist aber nicht mal das größte Problem des Investors.

12.05.2022 | Kommentar von Georg Buschmann

Quelle: dpa

50 Prozent. So viel hat der 10XDNA-Fonds von TV-Promi und Investor Frank Thelen binnen eines halben Jahres an Wert verloren. Für den auf Techaktien fokussierten Fonds, der erst im September mit viel Tamtam in den Vertrieb gegangen war, ist es ein denkbar schlechter Start.

Ob der miesen Wertentwicklung über Thelen jetzt Häme auszukippen, greift allerdings zu kurz: Denn das Umfeld für Techaktien insgesamt hat sich in dieser Zeit von ganz gut auf sehr schlecht verändert, viele Branchenpapiere kamen heftig unter die Räder.
Hätte Thelen mit seinem Fonds in dieser Zeit einen Gewinn eingefahren – es wäre ein Wunder gewesen. Klar, der Fonds lief trotz üppiger Management-Gebühr auch schlechter als Branchenindizes.

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Noch aber ist es zu früh, ein Urteil zur langfristigen Performance abzugeben. Deutliche Rücksetzer gehören bei Investments in Wachstumsunternehmen dazu. Die schlechte Wertentwicklung bislang ist insofern an sich (noch) kein Problem.

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Ein Problem ist aber, welche Erwartungshaltung Thelen beim Fondsstart geweckt hatte. Dem „Handelsblatt“ etwa sagte er damals, die Fondsposition Palantir könne sich verzehnfachen. Das Ziel für den Fonds insgesamt sei eine „Wert-Verdreifachung der Anlagen über vier bis acht Jahre“.

So eine Aussage ist für jemanden, der im Fondsgeschäft tätig ist, schlicht unseriös. Denn wie sich ein Fonds in Euro gerechnet entwickelt, hängt ganz wesentlich von Makrofaktoren wie Inflation oder Geldpolitik ab – von Dingen also, auf die auch der beste Fondsmanager keinen Einfluss hat.

Thelen hat mit solchen Statements unrealistisches Erwartungsmanagement betrieben. Nun fällt es ihm auf die Füße: Um sein Ziel für den Fonds noch zu erreichen, bräuchte es jetzt schon eine Versechsfachung des Kurses.

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Bei Palantir wäre nach drei Vierteln Verlust nun eine Vervierzigfachung vonnöten. Nicht 10x – wie der Fonds in Anspielung auf seine Ambitionen im Namen („10XDNA-Fonds“) verspricht –, sondern 40x.

Thelen hätte es besser wissen können – nein, sogar: müssen. 2020, kurz vor der Wirecard-Pleite, hatte er öffentlich bekanntgegeben, in die Aktie investiert zu haben – weil er auf die „Fundamentals“ schaue.

Auch hier: Keine Häme. Auf Wirecard reingefallen sind viele und Thelen kann mit seinem privaten Geld machen, was er will.

Problematisch war etwas anderes: Er weckte bei allen Zuschauern des Videos den Eindruck, er habe sich mit Wirecard befasst und alles sei okay – obwohl das ganz offensichtlich nicht der Fall war. Viele Kleinanleger, die sich auf Einschätzungen von Experten verlassen haben, verloren mit Wirecard viel Geld. Thelen hat daraus offenbar wenig gelernt.

Jedenfalls tritt er seitdem öffentlich in Gelddingen nicht zurückhaltender auf. Vielleicht ist das nach 50 Prozent Fondsminus binnen eines halben Jahres ja anders.

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