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Weihnachtsgeld 2022
Höhe, Anspruch und Auszahlung der Sondervergütung

Wann haben Beschäftigte Anspruch auf Weihnachtsgeld? Welche Höhe hat das zusätzliche Gehalt im Jahr 2022? Das sollten Sie über die Extrazahlung wissen.

28.11.2022 | von Sören Imöhl

Quelle: dpa

Alle Jahre wieder freuen sich viele Beschäftigte im November auf das Weihnachtsgeld. 2022 liegt die Sonderzahlung im Durchschnitt bei etwa 2747 Euro, was etwa 2,6 Prozent mehr als im vergangenen Jahr bedeutet. Dabei erhält mehr als die Hälfte der Deutschen (54 Prozent) Weihnachtsgeld. Das ist das Ergebnis einer Auswertung des Internetportals Lohnspiegel.de, das vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung betreut wird.

Durch die Coronapandemie und die hohe Inflation hatten viele Arbeitgeber zuletzt mit wirtschaftlichen Einschränkungen zu kämpfen. Können Beschäftigte die Vergütung trotzdem erwarten? Die wichtigsten Fakten im Überblick.

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Wer hat Anspruch auf Weihnachtsgeld?

Laut Daten des Statistischen Bundesamtes erhalten 2022 rund 86 Prozent aller Tarifbeschäftigten Weihnachtsgeld. Der Anteil der Tarifbeschäftigten, die Weihnachtsgeld erhalten, ist dabei stark von der jeweiligen Branche abhängig. Ein überdurchschnittliches tarifliches Weihnachtsgeld wird laut dem Statistischen Bundesamt beispielsweise in den Bereichen „Gewinnung von Erdöl und Erdgas“ sowie im Bereich „Kokerei und Mineralölverarbeitung“ gezahlt. Die Sonderzahlung beläuft sich hier im Jahr 2022 auf 5504 Euro beziehungsweise 5450 Euro.

Ein durchschnittliches Weihnachtsgeld können Tarifbeschäftigte der Bereiche „Herstellung von Bekleidung“ mit 2748 Euro sowie „Herstellung von Textilien“ mit 2762 Euro erwarten. In diesen Bereichen erhalten nahezu 100 Prozent der Angestellten mit Tarifvertrag Weihnachtsgeld. Das niedrigste Weihnachtsgeld wird mit durchschnittlich 327 Euro im Bereich „Vermittlung und Überlassung von Arbeitskräften“ gezahlt.

Grundsätzlich ist die Sonderzahlung nicht verpflichtend. Einen gesetzlichen Anspruch haben Mitarbeitende erst dann, wenn das Weihnachtsgeld im Arbeitsvertrag beziehungsweise Tarifvertrag oder in einer Betriebsvereinbarung explizit zugesichert wird. Das gilt übrigens auch in wirtschaftlich schwachen Jahren wie zum Beispiel zuletzt während der Corona-Krise. Besteht eine solche Vereinbarung nicht, haben Beschäftigte auch keinen Rechtsanspruch auf die Sondervergütung. Eine freiwillige Zahlung des Arbeitgebers ist allerdings zu jedem Zeitpunkt möglich.

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Wann wird die freiwillige Zahlung verpflichtend für Arbeitgeber?

Die freiwillig geleistete Weihnachtsgeldzahlung wird, zu einer sogenannten betrieblichen Übung, wenn die Zahlung mindestens drei Jahre in Folge ohne Vorbehalt geleistet wurde. Ist das der Fall, wird das Weihnachtsgeld zum festen Bestandteil, sodass auch zukünftig eine Pflicht der Sondervergütung für das Unternehmen besteht – selbst wenn das nicht vertraglich festgehalten wurde. Dann ist es auch nicht mehr möglich, die Zahlung einzustellen.

Gleiches gilt für den Gleichbehandlungsgrundsatz: Demnach wird das Sondergehalt nur verpflichtend, wenn ein Unternehmen einen bestimmten Personenkreis von der Zahlung ausschließt, andere jedoch damit bedenkt. Das wäre ein Verstoß gegen das Arbeitsrecht und wäre eine Diskriminierung seitens des Arbeitgebers.
Auf einen Blick: Woraus sich ein Anspruch ergeben kann

  • Arbeitsvertrag
  • Tarifvertrag
  • Betriebsvereinbarung
  • Freiwillige Zahlung des Arbeitgebers
  • Betriebliche Übung
  • Aus dem Grundsatz der Gleichbehandlung 

Was ist eine Zahlung unter Vorbehalt?

Ausgesetzt werden diese Regeln bei der Sondervergütung unter Vorbehalt, da der Arbeitgeber ausdrücklich auf die Freiwilligkeit hinweist und zukünftige Zahlungen damit ausschließt. Aber aufgepasst: Häufig reicht hier ein Vermerk über die Sondervergütung im Arbeitsvertrag nicht aus, deshalb sollte der Vorbehalt auch noch auf der Gehaltsabrechnung des Monats mit der Weihnachtsgeldzahlung zu finden sein.

Weihnachtsgeld 2022: Höhe und Berechnung

Wie hoch die Zahlung ausfällt, hängt von der jeweiligen Vereinbarung über das Weihnachtsgeld ab. Das bedeutet, dass die Höhe zwischen Unternehmen und tarifvertraglichen Vereinbarungen sehr unterschiedlich ausfallen kann. Normalerweise werden 60 bis 80 Prozent des Monatsgehalts an den Beschäftigten ausgezahlt.

Wie viel Weihnachtsgeld wird in Deutschland insgesamt jährlich gezahlt?

Das Institut für deutsche Wirtschaft (IW) schätzt, dass pro Jahr rund 50 Milliarden Euro Weihnachtsgeld gezahlt werden. Darin sind allerdings auch Bonuszahlungen wie etwa Gewinnbeteiligungen eingerechnet. Viele Firmen ziehen solche Sonderzahlungen vor, weil sie variabler und stärker mit dem Unternehmenserfolg verknüpft sind, heißt es beim IW.

Jahressonderzahlung in Tarifverträgen (TVöD)

Laut Statista sind 77 Prozent der Sonderzahlungen an Tarifverträge gebunden. Die Höhe des Weihnachtsgeldes wird beim Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) am monatlichen Durchschnittsgehalt der Monate Juli, August und September berechnet. Die prozentuale Vergütung ist außerdem an die jeweilige Entgeltgruppe des Tarifbeschäftigten gebunden.

  • Jahressonderzahlung West: Entgeltgruppe 1 bis 8: 79,51 Prozent
  • Entgeltgruppe 9a bis 12: 70,28 Prozent
  • Entgeltgruppe 13 bis 15: 51,78 Prozent

Jahressonderzahlung Ost: Nur 94 Prozent des West-Niveaus

Muss Weihnachtsgeld versteuert werden?

Weihnachtsgeld ist nicht steuerfrei. Wie auch andere Sonderzahlungen unterliegt das Weihnachtsgeld der Lohnsteuer und wird unter den sonstigen Bezügen aufgelistet. 

Welche Ansprüche gelten bei einer Arbeitsunfähigkeit?

Und was passiert im Krankheitsfall mit dem Weihnachtsgeld? Laut des Entgeltfortzahlungsgesetzes haben Beschäftigte auch dann einen Anspruch auf die Zahlung des Weihnachtsgehalts, wenn sie krankgeschrieben sind. Ist die Zahlung im Arbeitsvertrag vermerkt, muss der Arbeitgeber die Sondervergütung leisten. 

Im Falle einer Langzeiterkrankung macht auch hier der Gesetzgeber keine Ausnahmen – sie bekommen auch weiterhin Weihnachtsgeld ausgezahlt, selbst wenn Sie das ganze Jahr krankgeschrieben waren. Eine Zahlung kann erst abgelehnt werden, sobald sie einen sogenannten Entgeltcharakter aufweist.

Eine Vergütung mit Entgeltcharakter ist zum Beispiel eine Gegenleistung für die geleistete Arbeit. Wenn ein Beschäftigter also seit einem Jahr nicht arbeiten kann, ist der Arbeitgeber nicht mehr verpflichtet zu zahlen, da diese im Krankheitsfall nicht stattfinden kann.

Muss das Weihnachtsgehalt nach einer Kündigung zurückgezahlt werden?

Sie kündigen Ihr Arbeitsverhältnis – und stehen nun vor der Frage: Habe ich noch Anspruch auf das Weihnachtsgeld? In Tarifverträgen sind häufig sogenannte Rückzahlungsklauseln – beispielsweise bei Kündigungen, die das erste Quartal nach der Zahlung betreffen – hinterlegt. Sie geben Auskunft darüber, in welchem Zeitraum das Weihnachtsgeld wieder zurückgezahlt werden muss.
Bei herkömmlichen Arbeitsverträgen greift diese Klausel nicht. Außer es wird deutlich, welchen Zweck die Zahlung verfolgt – dann kann eine Rückforderung entstehen. Ein solcher Zweck kann beispielweise die Betriebstreue sein.

Teilzeit oder Minijob: Was gilt?

Auch Teilzeitbeschäftigte und Geringverdiener haben einen Anspruch auf Weihnachtsgeld, wenn der Arbeitgeber das zusätzliche Gehalt an andere Mitarbeitende des Unternehmens zahlt. Die Höhe des Geldes berechnet sich dabei anteilig im Verhältnis zur Vollzeitbeschäftigung. Bei der Hälfte der Arbeitszeit ist also auch die Hälfte der Zahlung fällig.

Gerade geringfügig Beschäftigte werden bei der Weihnachtsgeldzahlung häufig übergangen. Doch auch sie sollten Anspruch darauf erheben, da sie ihren Arbeitskollegen gleichgestellt sind.

Lesen Sie auch: So viel Weihnachtsgeld bekommen die Deutschen

Quelle: Statistisches Bundesamt

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