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Kaffee-Dynastie Reimann
Deutschlands geheimnisvollste Milliardäre investieren in Brasilien

Die Industriedynastie Reimann stärkt ihr Lateinamerika-Geschäft mit dem Kapselgeschäft des Kaffee-Riesen Cia Cacique. Damit kommt sie ihrem Ziel der Marktführerschaft wieder ein Stück näher.

26.01.2017 | von Rüdiger Kiani-Kreß

JAB hat in Brasilien zugekauft.
Quelle: dpa

Als Peter Harf vor rund fünf Jahren ins Kaffeegeschäft einstieg, wurde er von vielen ein wenig belächelt. Sicher, der heute 70-Jährige hatte als oberster Vermögensverwalter der deutschstämmigen Milliardärsdynastie Reimann damals bereits mehrfach sein Gespür für gute Deals bewiesen. Fast aus dem Nichts hatte der ehemalige Berater der Boston Consulting Group in 30 Jahren ein damals mindestens 15 Milliarden Euro schweres Konsumgüterreich geschaffen. Kern sind gut 200 Topmarken von Putzmitteln wie Sagrotan bis zu den schönen Dinge des Lebens wie Prominenten Parfüms á la Calvin Klein oder Jimmy-Choo-Edel-Schuhe.

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Das überzeugte nicht alle. „Den ebenso komplexen wie zersplitterten Markt Kaffee zu einen, das erschien uns angesichts der hohen Kosten riskant bis unmöglich“, so der Chef eines großen europäischen Kaffeeriesen.

Doch spätestens heute hat Harf wieder gezeigt, dass es für ihn als Jahrgangsbester an der Universität zu Köln kein „unmöglich“ gibt, sondern nur ein schwierig – und das übersetzt der Absolvent der Harvard Business School in den USA nun mal mit „besonders reizvoll“.

Das Imperium der Familie Reimann

Gerade hat die von Harf geleitete JAB Holding Company wieder mal im Kaffeegeschäfts zugekauft. Stimmen die Wettbewerbshüter zu, wird die Jacobs Douwe Egberts genannte Beteiligung vom brasilianischen Marktführer Cacique das Geschäft mit Kaffeekapseln und allem anderen anregenden abseits des Instantkaffees übernehmen. Damit wird die Gruppe, die hier in Europa die Marken Jacobs, Senseo oder Tassimo im Angebot hat, nun auch im größten Exportland des weltweit beliebtesten Genussmittels einer der Marktführer – sowie wie sie es bereits in mehr als 100 anderen Ländern in allen Erdteilen geschafft hat.

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Das bringt Harf und seine beiden Partner Bart Becht und Olivier Goudet, denen die Reimanns zusammen rund acht Prozent der gut 30 Milliarden Euro wertvollen JAB überließen, ihrem wichtigsten Ziel näher: Einen – und wenn möglich den – Weltmarktführer beim Kaffee zu schaffen – so wie ihnen das bereits mit ihrer Beteiligung Coty im Parfümmarkt gelungen ist.

Das Reimann-Reich

JAB Holding Company

Eigentümer: Renate Reimann-Haas, Wolfgang Reimann, Stefan Reimann-Andersen, Matthias Reimann-Andersen (zu 92 Prozent), Senior Partner Peter Harf, Bart Becht, Olivier Goudet (zu acht Prozent)

Sitz: Luxemburg

Zweck: Sammelt Erträge und schüttet an Anteilseigner aus

Kapital: 18,9 Milliarden Euro

Überschuss: 2,6 Milliarden Euro

JAB Investments und JAB Holdings

Eigentümer: JAB Holding Company (zu 100 Prozent)

Sitz: Luxemburg (JAB Investments), Niederlande (JAB Holdings)

Zweck: Bündelung der Beteiligungen

Acorn Holdings

Hält den Kaffeekonzern Jacobs Douwe Egberts

Sitz: Niederlande

Marken: Jacobs, Senseo, Tassimo, Douwe Egberts, Keurig

Wert: 9,7 Milliarden Euro

Verlust: 253 Millionen Euro

Anteil der Reimanns: 64,7 Prozent

JAB Beech

Sitz: USA

Marken: Peet's, Caribou, Einstein Noah, Stumptown, Intelligentsia

Wert: 1,8 Milliarden Euro

Verlust: 92 Millionen Euro

Anteil der Reimanns: 71,7 Prozent

JAB Coffee Holdings

Sitz: Niederlande

Marken: Espresso House, Baresso

Wert: 0,2 Milliarden Euro

Gewinn: 0 Millionen Euro

Anteil der Reimanns: 52 Prozent

Reckitt Benckiser

Sitz: Großbritannien

Marken: Sagrotan, Vanish

Wert: 6,3 Milliarden Euro

Gewinn: 117 Millionen Euro

Anteil der Reimanns: 10,5 Prozent

Coty

Sitz: USA

Marken: Adidas, Calvin Klein, Davidoff, Rimmel

Wert: 6,3 Milliarden Euro

Gewinn: 237 Millionen Euro

Anteil der Reimanns: 79,7 Prozent

JAB Luxury

Sitz: Schweiz

Marken: Bally, Jimmy Choo und Belstaff

Wert: 0,1 Milliarden Euro

Verlust: 189 Millionen Euro

Anteil der Reimanns: 100 Prozent

Hinter dem Kaufrausch steht ein Dreistufenplan: Die zersplitterte und zum großen Teil fast mittelständisch organsierte Kaffeebranche industrialisieren und aus mittelständischen Betrieben eine weltweit führende Gruppe formen, die dank eines neuen Konzepts den Gewinn steigert. Und das Ganze mit so vielen kleinen lokalen Marken, dass JAB dem Marktführer Nestlé mit seinem weltweit fast einheitlichen Angebot an Kapseln nicht ins Gehege zu kommt. Das vermeidet Preiskämpfe, die nur auf den Gewinn drücken.

Dafür ging JAB ein hohes Risiko ein. Für ihr Kaffeereich hat die in Amsterdam ansässige Holding seit 2012 für bald 40 Milliarden Dollar mehr als ein Dutzend Beteiligungen gekauft.

Doch die Rückendeckung ihrer Investoren haben Harf und seine Kollegen nicht nur gewonnen, sondern auch ausgebaut. Das gilt nicht nur für das Vertrauen der Familie, sondern auch das der anderen Geldgeber von Promis wie der Investorenlegende Warren Buffett und dem kolumbianisch-amerikanischen Milliardär Alejandro Santo Domingo bis zu den namenlosen Geldgebern, die JAB im vergangenen März gut fünf Milliarden Dollar in Form von Anleihen gepumpt haben.

Denn am Dienstag bescheinigte die führende amerikanische Ratingagentur Moody's JAB gute Arbeit und bewertete die Anleihe nun eine Stufe höher mit Ba2. „Sie haben die Profitabiltät gesteigert und den Cash-Flow verbessert“, schreibt Brian Weddington, Senior Credit Officer von Moody's, in einer aktuellen Studie. „Dazu hat die Gruppe in großem Stil das im Betrieb gebundene Kapital reduziert und Schulden abgebaut.“

Damit dürfte die Einkaufstour der JAB noch lange nicht zu Ende sein. Denn noch gibt es einige weiße Flecken im Reimann-Reich. Neben China ist das etwa Deutschland. „Unser Spielplatz ist zwar die Welt“, sagt Harf. „Aber wir werden auch in Deutschland mit neuen Angeboten experimentieren und suchen derzeit ein Konzept, das funktioniert. Haben wir das, investieren wir massiv in Deutschland.“

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